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Plinius über die Venus

Gaius Plinius Secundus (d. Ält.): Naturalis historiae (Naturkunde), Buch II, Abschnitt VI §§ 36-37)

Plinius (geb. 23/24, gest. 79) berichtet über die Venus, deren Helligkeit die aller anderen Sterne übertrifft, dass ihre Strahlen sogar Schatten werfen können.

Dies kann wohl nur ohne Mondlicht und bei Abwesenheit jeglicher Lichtverschutzung zutreffen.

"Infra solem ambit ingens sidus appellatum Veneris, alterno meatu vagum ipsisque cognominibus aemulum solis ac lunae. Praeveniens quippe et ante matutinum exoriens luciferi nomen accepit ut sol alter diemque maturans, contra ab occasu refulgens nuncupatur vesper ut prorogans lucem vicemve lunae reddens.

Quam naturam eius Pythagoras Samius primus deprehendit Olympiade circiter XLII, qui fuit urbis Romae annus XCLII. Iam magnitudine extra cuncta alia sidera est, claritatis quidem tantae, ut unius huius stellae radiis umbrae reddantur. Itaque et in magno nominum ambitu est. Alii enim Iunonis, alii Isidis, alii Matris Deum appellavere. Huius natura cuncta generantur in terris. Namque in alterutro exortu genitali rore conspergens non terrae modo conceptus inplet, verum animantium quoque omnium stimulat. Signiferi autem ambitum peragit trecenis et duodequinquagenis diebus, a sole numquam abstinens partibus sex atque quadraginta longius, ut Timaeo placet."

 

Dank an Walter R. für seine Übersetzung:

"Unterhalb der Sonne wandelt ein gewaltiges Gestirn namens Venus, sie nimmt ihren Lauf mit wechselndem Gang und wetteifert mit den Bezeichnungen von Sonne und Mond. Sie kommt diesen zuvor und hat, weil sie (Venus) vor dem Morgenlicht aufgeht, wie eine zweite Sonne den Namen Luzifer (Lichtbringer) angenommen und bringt in der Frühe den Tag herauf; auf der anderen Seite leuchtet sie bei Sonnenuntergang wieder hell auf und wird Abendstern genannt, verlängert den Tag oder gibt wohl auch das Licht des Mondes wieder. Deren Wesen erkannte als erster Pythagoras von Samos etwa in der 42 Olympiade, das bedeutet das Jahr 142 der Stadt Rom. Ferner übertrifft sie durch ihre Größe die anderen Gestirne, ist geradezu von so großer Helligkeit, dass durch die Strahlen dieses einzigartigen Gestirns Schatten geworfen werden. Deshalb steht sie auch im großen großen Kreis berühmter Namen. Die einen haben sie Gottheit "Juno," andere Gottheit "Isis", wieder andere Gottheit "Große Mutter" genannt.

Durch deren Wirken wird alles auf Erden hervorgebracht. Denn bei jedem Aufgang besprengt und erfüllt sie mit befruchtendem Tau nicht nur die Früchte der Erde, sondern fördert die Fruchtbarkeit aller lebenden Wesen. Sie vollendet den Umlauf des Tierkreises (wörtlich: des Zeichenbringers) in 348 Tagen, entfernt sich von der Sonne nicht weiter als 46 Teile, wie Timäus meint."

(Timäus ist ein Astrologe bzw. Astronom des 1. vorchristl. Jahrhunderts)