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A.:
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(einfallend): Der
Kreis ist geschlossen!
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B.:
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Und
das Riesenunternehmen geglückt! An 5
Stellen der Erdoberfläche hat man, bei klarem
Himmel, 6 volle Stunden lang, den Weg des Planeten
über die Sonnenscheibe verfolgen können :
in Wardöhus am Eismeer maß Hell aus Wien
in der Mitternachtssonne. Ebenso der Stockholmer
Planmann zu Kajaneborg, in den weiten Wäldern
Finnlands. In Nordkanada gelang die dritte. Die
vierte an der Küste des mexikanischen
Kalifornien. Die letzte im rousseau'schen
Traumparadies O'Taheiti - oder, wie wir heute
sagen, Tahiti.
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A.:
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Drei
weitere, nicht ganz so vollkommene, aber doch zur
endgültigen Berechnung wichtige
Beobachtungsreihen hatten die Russen geliefert :
Rumowskij in Kola; Kapitän Islennieff in
Jakutsk. Als letzter der Mexikaner Velasquez in
Santa Anna, Kalifornien.
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B.:
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Aber
sogleich kam die nächste Verzögerung, ehe
das große Werk gelungen, die Entfernung der
Sonne endgültig bekannt war: der
Rückweg der Beobachter war weit; und
keine Post ging damals von der Südsee oder den
>>barren grounds<< am magnetischen Pol.
Paris und Leningrad, damals führend nach
Anzahl der Observatorien und dem Ruf ihrer
Gelehrten, waren zum natürlichen Sammelbecken
sämtlicher Rechenunterlagen geworden, dort
also saß man nach jenem berühmten 3.
Juni 1769, und wartete fiebernd auf das
Material.
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A.:
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Die
finnischen Messungen gingen zuerst ein - aber
für sich allein waren sie von halbem Wert;
erst durch Kombination mit anderen konnte man
Sicheres sagen. Im Dezember 69 trafen die
kalifornischen Ergebnisse ein. Es wurde März
1770, ehe die Expeditionen von Wardö und der
Hudsonbay zurück waren. Und erst im September
1771, volle 2 Jahre später!, glitt die
>>Endeavour<< wieder in den
Heimathafen, an Bord die unschätzbaren
Zahlenunterlagen von Tahiti.
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B.:
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Und
- betrüblicherweise sei's gestanden - sogar
menschliche Unzulänglichkeit mußte sich
zuletzt noch einmischen! Vielleicht ist es
aufgefallen, daß die kalifornischen
Ergebnisse eher bekannt waren, als die aus dem
europäischen Wardö!
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A.:
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Denn
selbst mit dem besten Willen kann man den Pater
Hell aus Wien nicht von Schuld freisprechen! Er
verheimlichte neun volle Monate lang seine
Beobachtungen gänzlich; obwohl er rasch in
Erfahrung gebracht hatte, daß außer der
seinen keine so vollständige Beobachtung im
Norden gemacht worden war; und die übrigen
europäischen -ja, selbst die von der
Hudsonsbay! - ihm schon bekannt, und in seinen
Händen waren.
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B.:
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Am
9. Juni reiste er von Wardöhus ab. Durch einen
Kurier ward die Nachricht des Gelingens schon im
August nach Kopenhagen gebracht. Im November las
Hell in der dortigen Akademie persönlich seine
Abhandlung vor.
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A.:
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Aber
erst Ende Februar des folgenden Jahres wurde die
gedruckte Abhandlung dem gelehrten Publikum
vorgelegt! Und auch brieflich hatte er Keinem
vorher die Momente mitgeteilt. - Die Gründe,
die er später für diese völlig
unbegreifliche Verzögerung angab:
Weitläufigkeit der Rechnung; Hindernisse des
Drucks; selbst ein Verbot des dänischen
Königs, irgendjemandem etwas mitzuteilen -
bestenfalls erfunden; oder aber gar veranlaßt
von Hell selbst! - sind so ganz und gar nichtig,
daß sie mit Recht von keinem der
zeitgenössischen Astronomen auch nur der
mindesten Rücksicht gewürdigt worden
sind.
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B.:
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Zuerst
und ganz unumwunden sprach der große Franzose
Lalande mit der ihm eigenen, in solchen Fällen
aber sehr wohltätigen Heftigkeit den Verdacht
aus : Hell habe seine ganze Beobachtung erfunden,
oder doch >>frisiert<< !
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A.:
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Wahrscheinlich
war er jedoch nur ängstlich und eitel; und
hätte gern erst alle fremden Angaben
durchgerechnet, um zu übersehen, ob die
seinigen gut wären. Immerhin ist der Pater
Hell selbst schuld, wenn man die Wardöhuser
Beobachtung immer mit etwas kritischen Blicken
betrachten muß. Dabei - Ironie des Zufalls -
ist sie unserer heutigen Kenntnis nach
ausgezeichnet gut, vielleicht gar die beste
überhaupt, gewesen!
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Mit freundlicher Genehmigung © Arno
Schmidt Stiftung, Bargfeld
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