Venus transit
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Mercury

Der Venusdurchgang von 1631

Johannes Keplers ( Biographie) letztes großes Werk, das zu seinen Lebzeiten erschien, waren die "Rudolphinische Tafeln" ( Tabulae Rudolfinae, 1627, benannt nach Kaiser Rudolf II). Sie enthalten neue umfangreiche Tabellen der Planetenbewegung, die auf Tycho Brahes (1546-1601, Biographie) Daten basierten. Die mittleren Fehler konnten von fünf Grad auf zehn Minuten Abweichung von der wirklichen Planetenposition reduziert werden. Das Werk bildete für die kommenden 200 Jahre die Grundlage vieler astronomischer Berechnungen. Der englische Mathematiker und Physiker Sir Isaac Newton stützte sich bei der Formulierung seiner Theorie der Gravitationskraft stark auf die keplerschen Theorien und Beobachtungen.

Auf der Grundlage der Rudolfinischen Tafeln berechnete Kepler in seiner 1629 veröffentlichten Ephemeride für das Jahr 1631 einen Merkurdurchgang für den 7. November 1631 und einen Venusdurchgang am 6. Dezember 1631.

Nachdem Kepler im Jahre am 15. November 1630 verstorben war, gelang es Pierre Gassendi (1592-1655), den angekündigten Merkurdurchgang am 7. November 1631 in Paris zu beobachten: er ließ die Sonnenstrahlen durch das Okular seines Fernrohrs auf einen weißen Schirm im verdunkelten Zimmers fallen und betrachtete das projizierte Sonnenbild mit einer Lupe. Als scheinbaren Durchmesser ermittelte er 20''.


Pierre Gassendi (1592-1655)
Bildquelle:
MacTutor History of Mathematics, Biographie

Nach Delambre schrieb Gassendi voller Freude über die gelungene Merkur-Beobachtung an Wilhelm Schickard in Tübingen (zitiert nach [5]):

Le rusé Mercure voulait passer sans être apperçu, il était entré plutôt qu'on ne s'y attendait, mais il n'a pu s'échapper sans être découvert, ευρηκα και εωρακα; je l'ai trouvé et je l'ai vu; ce qui n'était arrivé a personne avant moi, le 7 novembre 1631, le matin.

Der listige Merkur wollte vorbeigehen ohne wahrgenommen zu werden; er war früher eingetreten als man es erwartete, aber er konnte nicht entkommen ohne entdeckt zu werden; ich habe ihn gefunden und ich habe ihn gesehen; was niemandem vor mir widerfahren war, am 7. November 1631, morgens.

Der Merkurtransit wurde ebenfalls von Cysat in Ingolstadt und Remus Quietanus in Ruffach beobachtet. Alle waren von der geringen Größe des Merkurbildes überrascht, das auf nur 20'' geschätzt wurde.

Nach seinem Erfolg beim Merkurdurchgang begann Gassendi mit seinen Beobachtungen zum Venusdurchgang bereits am 5. Dezember 1631, einen Tag vor dem erwarteten Termin, wenn immer Wolkenlücken es zuließen. Auch am 6. und 7. Dezember suchte er vergeblich nach der Venus vor der Sonnenscheibe. Er konnte nicht wissen, dass der Venusdurchgang erst nach Sonnenuntergang in Europa begann und vor Sonnenaufgang beendet war, und daher unbeobachtet blieb.

Diese Abbildungen der Sichtbarkeitsgebiete werden mit freundlicher Genehmigung von Antonius Schrode, Frankfurt/M. wiedergegeben. Auf seiner Website finden Sie u.a. einen Beitrag über die Grundlagen und Geschichte der Merkur- und Venusdurchgänge sowie ein umfangreiches Angebot astronomischer Software für Windows (teilweise auch zum kostenlosen Herunterladen).

Gassendi berichtet über seine Beobachtungen in seiner Schrift "Mercurius in Sole visus et Venus invisa Anno 1631 pro voto et admonitione Kepleri. Parisiis 1632 in 4".

 

Bücher

[1] Heinrich Gretschel: Lexikon der Astronomie;
Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1882.

[2] Sim. Newcomb: Populäre Astronomie, deutsche Ausgabe bearb. durch R. Engelmann;
Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1881.

[3] Simon Newcombs Astronomie für Jedermann;
Verlag von Gustav Fischer, Jena, 2. Auflage 1910.

[4] M. Wilhelm Meyer: Das Weltgebäude, Eine gemeinverständliche Himmelskunde;
Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1898.

[5] Rudolf Wolf: Geschichte der Astronomie;
Druck und Verlag von R. Oldenbourg, München 1877.

[6] Michael Maunder, Patrick Moore: Transit - When Planets cross the Sun;
Springer-Verlag London Limited 2000; ISBN 1-85333-621-8.

[7] Eli Maor: June 8, 2004, Venus in Transit;
Princeton University Press, Princeton 2000; ISBN 0-691-04874-6.